"Only the good die young. Sie wurde 87."
Das war fast schon einer der freundlicheren Nachrufe, die in meinem Freundes- und Bekanntenkreis (Twitter, Facebook) geäußert wurden. Ansonsten hatte man das Gefühl, die Leute würden gerne auf ihrem Grab tanzen und Champagnerreste draufpinkeln. "Häme" wäre noch eine freundliche Beschreibung, und da wurden Grenzen überschritten. Reihenweise.
In den Zeitungen sah das naturgemäß ganz anders anders aus. In den konservativen Blättern habe ich gelernt: Großbrittanien war vor ihrer Zeit quasi schlimmer als die DDR. Alle Betriebe marode, nichts funktionierte, Stromstreik, Krankenhaus-Streik, wahrscheinlich musste man für Bananen 8 Stunden anstehen und der Stolz der Nation war eh im Arsch. Dann kam Maggie und ein goldenes Zeitalter brach an. Ein bisschen schockierend, dass man so gar nicht dazu in der Lage ist (oder sein will), ihr wahres Erbe zu beschreiben.
Thatcher und Reagan waren es, mit beinahe zeitgleichen Regierungszeiten, die uns die heute als selbstverständlich hingenommene Idee beschert haben, dass Staaten wettbewerbsfähig sein müssen. Dass Staaten nicht zur primären Aufgabe hätten, Frieden, Sicherheit und Wohlstand, und zwar für alle ihre Einwohner, aber auch für Bürger anderer Staaten zu sichern, sondern dass sie alle in einem Wirtschaftswettstreit miteinander stehen müssten und dass die, die am billigsten arbeiten, irgendwas davon hätten - außer denen, die zu billig arbeiten, irgendwo in einem asiatischen Sweatshop oder in Afrika. Die Privatisierung von Aufgaben, die zum Gemeinwohl gedacht waren und sind, von Stromversorgung bis Krankenhäusern, waren mindestens im für die ganze westliche Welt spürbaren Ausmaß Thatchers und Reagans Werk. Der "globale Wettbewerb" wurde im wesentlichen durch sie ausgerufen. Und am wichtigsten: Die vollkommene Loslösung von Finanz- und Realwirtschaft - das ist Thatchers Lebenswerk. Die Möglichkeit, binnen 10 Minuten mit drei Handzeichen und zwei Aussagen 500 Millionen Dollar zu verdienen, obwohl niemand in der Zeit irgendwas produzieren kann, was dazu einen Gegenwert bildet - dieser Wahnsinn geht zu großen Teilen auf Maggie Thatcher zurück. Und wir leben mit ihrem Erbe noch ganz gut. Die Spanier, Griechen, Portugiesen nicht. Und wenn man es genau nimmt: Die Engländer und Amerikaner auch nicht.
Freuen kann ich mich, wie die anderen, über ihren Tod nicht. Ihr Lebenswerk (Falkland und ein bisschen Diktatoren-Kungelei gehen dagegen ja fast als bedeutungslos durch) kann ich dennoch verabscheuen. Bringt aber auch nichts. Aber dass offenbar niemand rechts der Grünen dazu in der Lage sein will, den Bezug zur heutigen Politik und Wirtschaft herzustellen und einzusehen, dass sie gemeinsam mit Cowboy Ronald mit voller Vehemenz uns, Europa, eigentlich ja die westliche Welt in eine Sackgasse getrieben hat, aus der wir derzeit keinen Ausweg finden - das finde ich nahezu unverzeihlich.
Die Achse des Blöden
Deutschland gegen den Rest der Welt - zurück ins vorletzte Jahrhundert. Warum wir uns verarschen lassen, weiss ich nicht. Aber man kann ja mal was dazu sagen.
Mittwoch, 10. April 2013
Dienstag, 2. April 2013
Jörg Schönenborn, Bewerter
NSU Prozess, Vergabe der Sitzplätze. Allein schon "Sitzplätze". Man sollte erwähnen, dass die, die keinen Sitzplatz gefunden haben, mit Beginn der Sitzungen den Saal zu verlassen haben. Unsere Sprache, die alles schönreden kann. Jörg Schönenborn redet nichts schön in seinem Kommentar zur Plätzevergabe. Er spannt sogar den Bogen zum restlichen Südeuropa, gleich zu Beginn:
"Jetzt haben wir den Süden Europas also bald komplett gegen uns. Die Griechen hassen uns, weil die Löhne niedrig und die Preise hoch sind, die Zyprer, weil ihre Wirtschaft vor die Hunde geht, und die Türken, weil wir ihre Landsleute erst dem NSU-Terror ausgesetzt haben und sie jetzt vom Prozess ausschließen."
Solche Vergleiche gehen selten gut. Eigentlich nie. Sie sind in einer Liga mit Nazi-Vergleichen oder Sätzen, die beginnen mit "Ich bin kein Rassist, aber" - es funktioniert nicht, weil es immer alles verkürzt, selbst wenn ein Gedanke legitim scheint. Es geht nicht, die Reaktionen von Griechen und Zyprern mit dem Wort "hassen" zusammenzufassen und es geht erst recht nicht, die Gründe mit weniger als einem Halbsatz skizzieren zu wollen. So weit, so schlecht. Die Kurve ins Desaster kriegt Schönenborn dann so:
"Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass Griechen und Zyprer gerade einstehen für alte Fehler - für die Türken gilt das nicht."
Das Fass am Beginn schon unbeholfen aufgemacht, und zwei Sätze später notdürftig wieder geschlossen: Die Südländer aus der EU sind vielleicht selbst schuld, die Türken aber nicht. Warum, Schönenborn, warum beginnt man seinen Kommentar so? Warum reißt man das viel zu komplexe Europa-Thema da mit rein, wo es nicht hingehört, um es im nächsten Satz ungehörig wieder herauszustreichen?
Und die Türken... die sind ja aller Ehren wert:
"Wir sprechen über drei Millionen Menschen... überwiegend gut integriert..." - nehmen wir an, sie wären überwiegend schlecht oder gar nicht integriert: Was für einen Unterschied würde das machen? Wäre es dann ok, ihre Medienvertreter faktisch vom Prozess auszuschließen? Oder wären sie dann, wie die Griechen und Zyprer, dann doch vielleicht auch selbst schuld? Ermessensfrage, nicht wahr?
Ermessen können wir übrigens ganz gut: Wir Deutschen gefallen uns in der Rolle der Bewerter. Hier bewerten wir gnädig zugunsten der Türken, auch wenn die Männer beschnitten, die Frauen verschleiert und deren Töpfe voller Knoblauch sind. Aber immerhin wurden sie hier abgeknallt, früher abgebrannt, damit haben sie ein paar Punkte gut. Griechen und Zyprer müssen wir anders bewerten. Die haben immer nur in der Hängematte gelegen, während wir geschuftet haben. Stellen wir uns so vor, also bewerten wir hier tendenziell negativ. Dann bewerten wir noch uns selbst, nämlich unser Gericht in München. Und albernerweise auch die Bayern insgesamt. Damit zeigen wir den anderen Bewerteten, dass wir auch über uns selbst richten, sofern wir die Bayern zu uns zählen. Zwar ohne Konsequenzen, aber das gibt den anderen in Südeuropa vielleicht ein besseres Gefühl, wenn sie unsere Bewertung entgegennehmen. 6, setzen, Schönenborn.
"Jetzt haben wir den Süden Europas also bald komplett gegen uns. Die Griechen hassen uns, weil die Löhne niedrig und die Preise hoch sind, die Zyprer, weil ihre Wirtschaft vor die Hunde geht, und die Türken, weil wir ihre Landsleute erst dem NSU-Terror ausgesetzt haben und sie jetzt vom Prozess ausschließen."
Solche Vergleiche gehen selten gut. Eigentlich nie. Sie sind in einer Liga mit Nazi-Vergleichen oder Sätzen, die beginnen mit "Ich bin kein Rassist, aber" - es funktioniert nicht, weil es immer alles verkürzt, selbst wenn ein Gedanke legitim scheint. Es geht nicht, die Reaktionen von Griechen und Zyprern mit dem Wort "hassen" zusammenzufassen und es geht erst recht nicht, die Gründe mit weniger als einem Halbsatz skizzieren zu wollen. So weit, so schlecht. Die Kurve ins Desaster kriegt Schönenborn dann so:
"Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass Griechen und Zyprer gerade einstehen für alte Fehler - für die Türken gilt das nicht."
Das Fass am Beginn schon unbeholfen aufgemacht, und zwei Sätze später notdürftig wieder geschlossen: Die Südländer aus der EU sind vielleicht selbst schuld, die Türken aber nicht. Warum, Schönenborn, warum beginnt man seinen Kommentar so? Warum reißt man das viel zu komplexe Europa-Thema da mit rein, wo es nicht hingehört, um es im nächsten Satz ungehörig wieder herauszustreichen?
Und die Türken... die sind ja aller Ehren wert:
"Wir sprechen über drei Millionen Menschen... überwiegend gut integriert..." - nehmen wir an, sie wären überwiegend schlecht oder gar nicht integriert: Was für einen Unterschied würde das machen? Wäre es dann ok, ihre Medienvertreter faktisch vom Prozess auszuschließen? Oder wären sie dann, wie die Griechen und Zyprer, dann doch vielleicht auch selbst schuld? Ermessensfrage, nicht wahr?
Ermessen können wir übrigens ganz gut: Wir Deutschen gefallen uns in der Rolle der Bewerter. Hier bewerten wir gnädig zugunsten der Türken, auch wenn die Männer beschnitten, die Frauen verschleiert und deren Töpfe voller Knoblauch sind. Aber immerhin wurden sie hier abgeknallt, früher abgebrannt, damit haben sie ein paar Punkte gut. Griechen und Zyprer müssen wir anders bewerten. Die haben immer nur in der Hängematte gelegen, während wir geschuftet haben. Stellen wir uns so vor, also bewerten wir hier tendenziell negativ. Dann bewerten wir noch uns selbst, nämlich unser Gericht in München. Und albernerweise auch die Bayern insgesamt. Damit zeigen wir den anderen Bewerteten, dass wir auch über uns selbst richten, sofern wir die Bayern zu uns zählen. Zwar ohne Konsequenzen, aber das gibt den anderen in Südeuropa vielleicht ein besseres Gefühl, wenn sie unsere Bewertung entgegennehmen. 6, setzen, Schönenborn.
Martin Winter, Penis
Penis: Begattungsorgan bei Arten mit innerer Befruchtung. In vielen Kulturen ein Fruchtbarkeitssymbol. In einigen Kulturen in seiner Länge ein Symbol für Stärke und Macht.
Der Penis von Martin Winter, Leiter des Brüsseler Büros der Süddeutschen Zeitung, muss sehr lang sein. Denn es ist ein deutscher Penis.
Hier ist seine Sicht zur "Kritik an Deutschland".
Falls der Link nicht funktionieren sollte, eines Tages, habe ich die wichtigsten Stellen unten im Text rauskopiert (Hallo Leistungsschutzrecht!) - aber bitte als Zitat.
Brüssel macht die Deutschen, die dort arbeiten, offenbar deutscher und nicht europäischer. Die sind es wahrscheinlich leid, kritisiert zu werden, beziehen alles auf sich persönlich, und werden zu Rechts-CSU-Hardlinern, selbst wenn sie bei der Süddeutschen Zeitung oder der ARD arbeiten (Rolf-Dieter Krause, unser ARD-Mann in Brüssel, schaffte es in der Anne-Will-Sendung vom 27. März auch, mehrfach so zu tun, als würde er a) ganz persönlich sein Geld in den faulen Süden Europas überweisen und b) als Person zur Zielscheibe des Hasses der dortigen undankbaren Hilfsempfänger, denen er gern den Mitelfinger zeigen würde). Vielleicht ist das mit Brüssel auch übertrieben - zwei Fälle machen keine Theorie. Aber Süddeutsche! HEY! Oberstudienräte, Linke, Grüne-Wähler. Die lesen Süddeutsche. Für die schreiben Süddeutsche-Autoren. Und die schreiben dennoch manchmal Dreck, und Schuld könnte, Konjunktiv, wirklich das - nun unbequemere - Leben in Brüssel sein. Wie vielleicht auch bei Oberpenis Winter. Der schreibt davon, dass Deutschland sich als Adressat für Proteste anböte, weil es so erfolgreich ist und groß und mächtig. Nicht, weil es etwas falsch gemacht hätte, wohlgemerkt. Das wird zwar woanders in einem einzigen Satz erwähnt, aber das ist ganz offensichtlich nicht maßgeblich. Maßgeblich ist, dass Deutschland so groß und erfolgreich ist. Das ist es wiederum, weil die anderen, festhalten, "reformunwillig" seien. Zitat: "Deutschland hat weder Griechen noch Italiener noch Franzosen gezwungen, ihre Länder nicht zu reformieren."
Die sind nicht wegen ihrer Bankenrettungen in Problemen, sondern wegen ihrer Reformunwilligkeit (die den Nicht-Deutschen übrigens inhärent ist, das muss ein Gen-Defekt sein, oder eine natürliche Unterlegenheit, Anpassung und Darwin und so). Und den Gen-Geschädigten wird gedroht: "... denn wer die Deutschen isoliert, der rüttelt an den Grundfesten der europäischen Konstruktion". Es fragt sich zwar, wer wen isoliert. Aber "noch gibt es keine nennenswerten antieuropäischen Kräfte in Deutschland. Das kann sich aber sehr schnell ändern, gerade wenn sich die Deutschen unverstanden fühlen". Auf der Straße lautet dieser Satz ungefähr so: "Pass du auf A'schloch, isch fick disch Krankenhaus". Mit meinem Riesenpenis, aber das muss man nicht dazusagen.
Es sind Texte wie dieser, die mir Angst machen. Anstatt zu denken, Deutschland sei Angriffspunkt von Demonstranten, also damit die Bürger dieses Landes, weil sie irgendetwas "deutschtümliches" hätten, was die Menschen dort nicht leiden könnten, anstatt also auf einmal wieder Volkspsychologien und National-Charakter hoffähig zu machen, sollte man von einem Riesenprengel dieser Güte erwarten, dass er erkennt, dass deutsche Politik kritisiert wird. Hier liegt ein fundamentaler Unterschied. Die meinen nicht dich, Baggerfahrer Egon. Lehrer Thomas. Korrespondent Martin. Auch wenn die BILD dir das erzählt. Die meinen Entscheidungen von Frau Merkel und Herrn Schäuble. Und Rehn. Und Lagarde (die übrigens undeutsch, aber reformwillig sind. Eine seltsame Anomalie, wahrscheinlich Mutation). Jedenfalls, Monsterschwanz aus Brüssel: Wenn die Austeritätspolitik aus Deutschland kommt bzw. von Deutschland geprägt wurde, also Merkel, Schäuble und Co., dann ist es das gute Recht der Menschen, die darunter leiden müssen, dagegen zu demonstrieren. Zu protestieren. Sich wenigstens symbolisch zu verweigern, wenn sie sich dem sonst schon nicht entziehen können. So, wie hier ja auch Leute demonstrieren gehen dürfen, ohne dass ihnen offene Drohungen des Staates entgegen schlagen. Aber echte Megalatten lassen sich so etwas nicht bieten: Wichtig wird bemerkt, dass es NOCH keine Front gegen Europa in Deutschland gäbe. Man sagt damit durch die Hintertür, dass man vielleicht seinen Scheiss alleine machen könnte. Das können nur Riesenschwänze, Fleischpeitschen, Turboschläuche. Martin Winter hat offenbar so einen, insbesondere weil Deutschland so einen hat. Söder bestimmt auch. Helfen tut das natürlich niemand. Aber darum gehts nicht, wir sind hier schließlich bei der Schwanzvergleich-EM. Und das in der Süddeutschen. Nichts ist mehr, wie es einmal war.
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Der Penis von Martin Winter, Leiter des Brüsseler Büros der Süddeutschen Zeitung, muss sehr lang sein. Denn es ist ein deutscher Penis.
Hier ist seine Sicht zur "Kritik an Deutschland".
Falls der Link nicht funktionieren sollte, eines Tages, habe ich die wichtigsten Stellen unten im Text rauskopiert (Hallo Leistungsschutzrecht!) - aber bitte als Zitat.
Brüssel macht die Deutschen, die dort arbeiten, offenbar deutscher und nicht europäischer. Die sind es wahrscheinlich leid, kritisiert zu werden, beziehen alles auf sich persönlich, und werden zu Rechts-CSU-Hardlinern, selbst wenn sie bei der Süddeutschen Zeitung oder der ARD arbeiten (Rolf-Dieter Krause, unser ARD-Mann in Brüssel, schaffte es in der Anne-Will-Sendung vom 27. März auch, mehrfach so zu tun, als würde er a) ganz persönlich sein Geld in den faulen Süden Europas überweisen und b) als Person zur Zielscheibe des Hasses der dortigen undankbaren Hilfsempfänger, denen er gern den Mitelfinger zeigen würde). Vielleicht ist das mit Brüssel auch übertrieben - zwei Fälle machen keine Theorie. Aber Süddeutsche! HEY! Oberstudienräte, Linke, Grüne-Wähler. Die lesen Süddeutsche. Für die schreiben Süddeutsche-Autoren. Und die schreiben dennoch manchmal Dreck, und Schuld könnte, Konjunktiv, wirklich das - nun unbequemere - Leben in Brüssel sein. Wie vielleicht auch bei Oberpenis Winter. Der schreibt davon, dass Deutschland sich als Adressat für Proteste anböte, weil es so erfolgreich ist und groß und mächtig. Nicht, weil es etwas falsch gemacht hätte, wohlgemerkt. Das wird zwar woanders in einem einzigen Satz erwähnt, aber das ist ganz offensichtlich nicht maßgeblich. Maßgeblich ist, dass Deutschland so groß und erfolgreich ist. Das ist es wiederum, weil die anderen, festhalten, "reformunwillig" seien. Zitat: "Deutschland hat weder Griechen noch Italiener noch Franzosen gezwungen, ihre Länder nicht zu reformieren."
Die sind nicht wegen ihrer Bankenrettungen in Problemen, sondern wegen ihrer Reformunwilligkeit (die den Nicht-Deutschen übrigens inhärent ist, das muss ein Gen-Defekt sein, oder eine natürliche Unterlegenheit, Anpassung und Darwin und so). Und den Gen-Geschädigten wird gedroht: "... denn wer die Deutschen isoliert, der rüttelt an den Grundfesten der europäischen Konstruktion". Es fragt sich zwar, wer wen isoliert. Aber "noch gibt es keine nennenswerten antieuropäischen Kräfte in Deutschland. Das kann sich aber sehr schnell ändern, gerade wenn sich die Deutschen unverstanden fühlen". Auf der Straße lautet dieser Satz ungefähr so: "Pass du auf A'schloch, isch fick disch Krankenhaus". Mit meinem Riesenpenis, aber das muss man nicht dazusagen.
Es sind Texte wie dieser, die mir Angst machen. Anstatt zu denken, Deutschland sei Angriffspunkt von Demonstranten, also damit die Bürger dieses Landes, weil sie irgendetwas "deutschtümliches" hätten, was die Menschen dort nicht leiden könnten, anstatt also auf einmal wieder Volkspsychologien und National-Charakter hoffähig zu machen, sollte man von einem Riesenprengel dieser Güte erwarten, dass er erkennt, dass deutsche Politik kritisiert wird. Hier liegt ein fundamentaler Unterschied. Die meinen nicht dich, Baggerfahrer Egon. Lehrer Thomas. Korrespondent Martin. Auch wenn die BILD dir das erzählt. Die meinen Entscheidungen von Frau Merkel und Herrn Schäuble. Und Rehn. Und Lagarde (die übrigens undeutsch, aber reformwillig sind. Eine seltsame Anomalie, wahrscheinlich Mutation). Jedenfalls, Monsterschwanz aus Brüssel: Wenn die Austeritätspolitik aus Deutschland kommt bzw. von Deutschland geprägt wurde, also Merkel, Schäuble und Co., dann ist es das gute Recht der Menschen, die darunter leiden müssen, dagegen zu demonstrieren. Zu protestieren. Sich wenigstens symbolisch zu verweigern, wenn sie sich dem sonst schon nicht entziehen können. So, wie hier ja auch Leute demonstrieren gehen dürfen, ohne dass ihnen offene Drohungen des Staates entgegen schlagen. Aber echte Megalatten lassen sich so etwas nicht bieten: Wichtig wird bemerkt, dass es NOCH keine Front gegen Europa in Deutschland gäbe. Man sagt damit durch die Hintertür, dass man vielleicht seinen Scheiss alleine machen könnte. Das können nur Riesenschwänze, Fleischpeitschen, Turboschläuche. Martin Winter hat offenbar so einen, insbesondere weil Deutschland so einen hat. Söder bestimmt auch. Helfen tut das natürlich niemand. Aber darum gehts nicht, wir sind hier schließlich bei der Schwanzvergleich-EM. Und das in der Süddeutschen. Nichts ist mehr, wie es einmal war.
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Auszüge als Zitate, für's Archiv, damit das Internet nie vergisst:
Das Bild vom hässlichen Deutschen, der dem übrigen Europa sein Wirtschaftsmodell aufzwingt: In vielen Nachbarländern droht die Wut der Straße zur offiziellen Politik mit antideutschen Zügen zu werden....Man hat sich ja daran gewöhnt, dass sich die Wut in den Krisenländern vor allem gegen die Deutschen richtet. ... Gewöhnt hat man sich ebenfalls daran, dass die eine oder andere Regierung eines Krisenlandes Berlin die Schuld an den schmerzhaften Folgen des Krisenmanagements zuschiebt, um von eigenem Versagen abzulenken. Das ist ärgerlich, aber als größtes, wirtschaftlich erfolgreichstes und in der Krisenbewältigung mächtigstes Land bietet sich Deutschland geradezu als Adressat für Frust und Zorn an.
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Doch wenn die Wut der Straße und das heimliche Geflüster in den Korridoren der Macht zur offiziellen Politik mit antideutschen Zügen werden, dann wird es ernst. In den letzten Monaten eher schleichend, seit Zypern aber ganz offen, ist die Attacke auf Berlin keine Ausnahme mehr.
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Keine deutsche Regierung kann eine Umkehr der Verantwortung für wirtschaftliches Versagen akzeptieren. Berlin hat weder Griechen noch Italiener oder Franzosen gezwungen, ihre Länder nicht zu reformieren. Und es war die zyprische Regierung, die ein Geschäftsmodell für ihre Banken ermöglichte, das zum Debakel führte.
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Europa freilich kann diese Sonderstellung nur schaden, denn wer die Deutschen isoliert, der rüttelt an den Grundfesten der europäischen Konstruktion.
...
Deswegen würden die Damen und Herren in Brüssel und die Regierungschefs der europäischen Sache einen großen Dienst erweisen, wenn sie aufhörten, die Vorurteile gegen Deutschland zu befördern. Mehr noch sollten sie endlich die Größe zeigen, den Anwürfen entschieden entgegenzutreten.
Der erste Post
Ich habe verschiedene Stufen der Euro-Krise aus Bürgersicht durchlaufen.
In der ersten Phase habe ich sie negiert. Ich habe mich über Abwrackprämien lustig gemacht, habe Urlaub in Griechenland gemacht und keine Krise zu Gesicht bekommen, habe mehr verdient als je zuvor und "too big to fail" für eine billige Entschuldigung dafür gehalten, dass wieder einmal Verluste sozialisiert werden, in Geschäften, in denen Gewinne privat sind.
In der zweiten Phase habe ich sie wahrgenommen - und nur Grundsätzliches als Thema zugelassen. Jaja, jetzt Kuh vom Eis, schön und gut, aber die wahrhaft wichtigen Fragen beziehen sich doch auf das System: DARF so etwas wie "too big to fail" denn überhaupt sein? Kleben wir nicht nur Pflaster auf Wunden, gehen aber nicht an die Krankheit?
In der dritten Phase war ich wütend. Sparpolitik, die Menschen arbeitslos macht, selbst wenn sie in Unternehmen waren, die sich nichts zu schulde kommen ließen (vgl. meine Sicht der Dinge: "Gründsätzliches"). Wut darüber, dass in Europa Menschen sterben, weil sie nicht an Medikamente kommen, an die sie in den Vor-Krisen-Zeiten noch kamen. Wut darüber, dass von unten nach oben verteilt wird: Unser Steuergeld hier aus Deutschland, addiert mit Leidensgeld durch Lohnkürzungen, weniger Rente, weniger Sozialleistung usw., zur Bedienung von Zinsen für - offenbar zu riskante - Kredite. Es wird von unten nach oben verteilt, und hier sieht es keiner, weil wir, die normalen deutschen Bürger, so weit oben im "unten" sind, dass wir uns für "oben" halten. Oben ist aber international. Und wir lassen es mit uns geschehen, dass die Medien nicht "oben und unten", sondern "Deutschland gegen Griechenland", "Deutschland gegen Zypern" usw. daraus machen. Wahrscheinlich, weil sie nicht besser können. Vielleicht wollen sie aber auch nicht besser. Versagt haben sie, trotz 128 Talk Shows wöchentlich dazu, in jedem Fall.
Seit Zypern gilt Phase 4: Die nackte Angst. Spareinlagen sicher? Kein Thema, nennen wir den Abzug doch einfach "Sondersteuer". Demokratie? Who gives a flying fuck. Russen-Geld? Sind per se Oligarchen. Alles illegal. Da braucht es auch keine Untersuchungen oder Prozesse. Wir sind schließlich in der Krise. Nehmt den Oligarchen, die sind eh scheiße! Und gesunde zyprische Unternehmen, die Geld auf einer Bank haben? Haben halt 60% weniger, wenn's ein paar hundert Tausend Euro waren. Gehen die halt pleite. Machen ihre Leute arbeitslos. In einem Staat, der ihnen einen Apfel und ein Ei als Arbeitslosengeld verweigern wird. Kaufen die halt nix mehr, damit noch andere Unternehmen pleite gehen. Wir sehen all das, und Merkel und Schäuble reden von "guter Lösung. Schmerzhaft, sicher, aber gut". Wenn das "gut" ist, habe ich Angst. Erstens, weil ich nicht wissen will, wie dann "schlecht" aussehen muss, und zweitens, weil man für eine "gute Lösung" scheinbar über Leichen geht, alle Werte verleugnet - Hauptsache, man schneidet "beim Volk" ganz gut ab, von Vernunft keine Spur. Und darüber regt sich keiner auf: Nicht über Werteverfall. Nicht über die echten Oligarchenmilliarden, die das Land vor und während der Verhandlungen verließen. Ist doch egal: Wichtig ist der Schein, zahlen tut schon irgendwer, im Zweifel der deutsche Steuerzahler - und noch viel mehr der einfache Zyprer. Das Metathema seit Zypern ist "Deutschland gegen den Rest Europas - und im Zweifel der Welt", und nicht Gerechtigkeit, nicht Sinnhaftigkeit, nicht Erfolgsaussichten von diesen Maßnahmen. Seitdem regiert bei mir die blanke Angst.
Schlimm ist, dass die Phasen 2 und 3 leider nicht abgeschlossen sind. Sie addieren sich zu Phase 4. Und so brauche ich ein Ventil, diesen Blog, in dem ich ab und zu mal Leute ankotzen werde, die in meinen Augen verantwortungslos, dumm, arrogant oder fahrlässig handeln und reden. Nicht, dass das jemand außer mir nützte. Aber immerhin kann ich so ein wenig im Wald pfeifen.
In der ersten Phase habe ich sie negiert. Ich habe mich über Abwrackprämien lustig gemacht, habe Urlaub in Griechenland gemacht und keine Krise zu Gesicht bekommen, habe mehr verdient als je zuvor und "too big to fail" für eine billige Entschuldigung dafür gehalten, dass wieder einmal Verluste sozialisiert werden, in Geschäften, in denen Gewinne privat sind.
In der zweiten Phase habe ich sie wahrgenommen - und nur Grundsätzliches als Thema zugelassen. Jaja, jetzt Kuh vom Eis, schön und gut, aber die wahrhaft wichtigen Fragen beziehen sich doch auf das System: DARF so etwas wie "too big to fail" denn überhaupt sein? Kleben wir nicht nur Pflaster auf Wunden, gehen aber nicht an die Krankheit?
In der dritten Phase war ich wütend. Sparpolitik, die Menschen arbeitslos macht, selbst wenn sie in Unternehmen waren, die sich nichts zu schulde kommen ließen (vgl. meine Sicht der Dinge: "Gründsätzliches"). Wut darüber, dass in Europa Menschen sterben, weil sie nicht an Medikamente kommen, an die sie in den Vor-Krisen-Zeiten noch kamen. Wut darüber, dass von unten nach oben verteilt wird: Unser Steuergeld hier aus Deutschland, addiert mit Leidensgeld durch Lohnkürzungen, weniger Rente, weniger Sozialleistung usw., zur Bedienung von Zinsen für - offenbar zu riskante - Kredite. Es wird von unten nach oben verteilt, und hier sieht es keiner, weil wir, die normalen deutschen Bürger, so weit oben im "unten" sind, dass wir uns für "oben" halten. Oben ist aber international. Und wir lassen es mit uns geschehen, dass die Medien nicht "oben und unten", sondern "Deutschland gegen Griechenland", "Deutschland gegen Zypern" usw. daraus machen. Wahrscheinlich, weil sie nicht besser können. Vielleicht wollen sie aber auch nicht besser. Versagt haben sie, trotz 128 Talk Shows wöchentlich dazu, in jedem Fall.
Seit Zypern gilt Phase 4: Die nackte Angst. Spareinlagen sicher? Kein Thema, nennen wir den Abzug doch einfach "Sondersteuer". Demokratie? Who gives a flying fuck. Russen-Geld? Sind per se Oligarchen. Alles illegal. Da braucht es auch keine Untersuchungen oder Prozesse. Wir sind schließlich in der Krise. Nehmt den Oligarchen, die sind eh scheiße! Und gesunde zyprische Unternehmen, die Geld auf einer Bank haben? Haben halt 60% weniger, wenn's ein paar hundert Tausend Euro waren. Gehen die halt pleite. Machen ihre Leute arbeitslos. In einem Staat, der ihnen einen Apfel und ein Ei als Arbeitslosengeld verweigern wird. Kaufen die halt nix mehr, damit noch andere Unternehmen pleite gehen. Wir sehen all das, und Merkel und Schäuble reden von "guter Lösung. Schmerzhaft, sicher, aber gut". Wenn das "gut" ist, habe ich Angst. Erstens, weil ich nicht wissen will, wie dann "schlecht" aussehen muss, und zweitens, weil man für eine "gute Lösung" scheinbar über Leichen geht, alle Werte verleugnet - Hauptsache, man schneidet "beim Volk" ganz gut ab, von Vernunft keine Spur. Und darüber regt sich keiner auf: Nicht über Werteverfall. Nicht über die echten Oligarchenmilliarden, die das Land vor und während der Verhandlungen verließen. Ist doch egal: Wichtig ist der Schein, zahlen tut schon irgendwer, im Zweifel der deutsche Steuerzahler - und noch viel mehr der einfache Zyprer. Das Metathema seit Zypern ist "Deutschland gegen den Rest Europas - und im Zweifel der Welt", und nicht Gerechtigkeit, nicht Sinnhaftigkeit, nicht Erfolgsaussichten von diesen Maßnahmen. Seitdem regiert bei mir die blanke Angst.
Schlimm ist, dass die Phasen 2 und 3 leider nicht abgeschlossen sind. Sie addieren sich zu Phase 4. Und so brauche ich ein Ventil, diesen Blog, in dem ich ab und zu mal Leute ankotzen werde, die in meinen Augen verantwortungslos, dumm, arrogant oder fahrlässig handeln und reden. Nicht, dass das jemand außer mir nützte. Aber immerhin kann ich so ein wenig im Wald pfeifen.
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